Sektion für Gefäß- und Endovascularchirurgie

Moderne Carotischirurgie – Behandlung von Halsschlagadererkrankungen

Die Halsschlagadern (Carotiden) gehören zu den wichtigsten Gefäßen des menschlichen Körpers. Sie versorgen das Gehirn kontinuierlich mit sauerstoffreichem Blut und spielen damit eine entscheidende Rolle für die neurologische Funktion. Veränderungen oder Verengungen dieser Gefäße können das Risiko für Schlaganfälle deutlich erhöhen und bedürfen häufig einer spezialisierten gefäßchirurgischen Behandlung.

Die Halsschlagader – zentrale Blutversorgung des Gehirns

Die rechte und linke Halsschlagader verlaufen beidseits am Hals und teilen sich jeweils in eine äußere und innere Carotisarterie auf. Besonders die innere Halsschlagader versorgt große Teile des Gehirns.

Durch arteriosklerotische Veränderungen können sich Ablagerungen an der Gefäßwand bilden, die zu einer Verengung der Arterie führen. Diese sogenannten Carotisstenosen stellen eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle dar.

Typische Erkrankungen und Indikationen

Eine Behandlung wird insbesondere bei:

  • symptomatischen Carotisstenosen nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA),
  • hochgradigen asymptomatischen Gefäßverengungen,
  • instabilen Plaques mit erhöhtem Embolierisiko,
  • oder wiederkehrenden Verengungen notwendig.

Typische Beschwerden können sein:

  • vorübergehende Sprachstörungen,
  • Sehstörungen,
  • Lähmungserscheinungen,
  • Gefühlsstörungen,
  • oder bereits aufgetretene Schlaganfälle.

Interdisziplinäre Therapieplanung im neurovaskulären Board

Die Behandlung von Erkrankungen der Halsschlagadern erfolgt interdisziplinär. Sämtliche Patienten werden im neurovaskulären Board gemeinsam durch Spezialisten der Gefäßchirurgie, Neurologie, Radiologie und interventionellen Medizin besprochen.

Hier erfolgt die individuelle Bewertung aller Befunde sowie die Festlegung des optimalen Therapieverfahrens. In den meisten Fällen stellt die operative Versorgung der Carotisstenose die Therapie der Wahl dar. In ausgewählten Situationen kann alternativ auch eine interventionelle Stentversorgung der Halsschlagader (CAS – Carotid Artery Stenting) sinnvoll sein.

Operative Behandlung der Carotisstenose

Die offene operative Behandlung der Halsschlagader gilt weiterhin als Goldstandard bei vielen Formen der Carotisstenose. Ziel des Eingriffs ist die sichere Entfernung der arteriosklerotischen Ablagerungen und die Wiederherstellung einer stabilen Hirndurchblutung.

Die Operation kann heute besonders schonend durchgeführt werden und ermöglicht ein optimales neurologisches Monitoring während der Narkose. Dadurch kann die Hirndurchblutung kontinuierlich überwacht und die Sicherheit des Eingriffs zusätzlich erhöht werden.

TEA – Thrombendarteriektomie

Die Thrombendarteriektomie (TEA) ist das klassische Operationsverfahren der Carotischirurgie. Dabei wird die Halsschlagader eröffnet und die Gefäßverkalkung sorgfältig aus der Gefäßwand entfernt. Anschließend erfolgt der Verschluss des Gefäßes, häufig unter Verwendung eines Patchs zur Erweiterung der Arterie.

Vorteile der TEA sind:

  • ausgezeichnete Langzeitergebnisse,
  • hohe Sicherheit,
  • stabile Schlaganfallprävention,
  • sowie eine dauerhafte Wiederherstellung des Blutflusses.

EEA – Eversionsendarteriektomie

Die Eversionsendarteriektomie (EEA) ist eine spezielle operative Technik zur Behandlung der Carotisstenose. Hierbei wird die innere Halsschlagader vorübergehend abgesetzt, die Verkalkung durch Umstülpung des Gefäßes entfernt und anschließend die Arterie wieder anatomisch rekonstruiert.

Die EEA bietet:

  • kurze Abklemmzeiten,
  • sehr gute Langzeitergebnisse,
  • sowie eine physiologische Rekonstruktion des Gefäßverlaufs.

Welche Technik angewendet wird, richtet sich nach der individuellen Gefäßanatomie und dem intraoperativen Befund.

Shunteinlage während der Operation

Während der operativen Versorgung kann vorübergehend ein sogenannter Shunt eingelegt werden. Dabei handelt es sich um ein kleines Röhrchen, das den Blutfluss zum Gehirn während der Rekonstruktion der Halsschlagader aufrechterhält.

Die Entscheidung zur Shunteinlage erfolgt individuell anhand:

  • des neurologischen Monitorings,
  • der intraoperativen Durchblutungssituation,
  • sowie patientenspezifischer Risikofaktoren.

Der selektive Einsatz eines Shunts erhöht die Sicherheit der Operation zusätzlich und gewährleistet eine kontinuierliche Versorgung des Gehirns während des Eingriffs.

Moderne Gefäßchirurgie auf höchstem Niveau

Die moderne Carotischirurgie verbindet präzise Diagnostik, interdisziplinäre Therapieplanung und hochspezialisierte operative Techniken. Ziel ist eine sichere und nachhaltige Schlaganfallprävention bei gleichzeitig möglichst schonender Behandlung und maximaler Patientensicherheit.