Aneurysmen der Brust- und Bauchschlagader (Aortenaneurysma)

Kommt es zu einer Erweiterung eines Blutgefäßes spricht der Mediziner von einer Gefäßektasie oder einem Aneurysma. Die Entwicklung eines Aneurysmas bleibt meist unbemerkt, da dieser Vorgang keine Schmerzen verursacht. Sind die großen Schlagadern (Brust-, Bauch- und Beckenschlagader) betroffen, besteht bei einer Ruptur (Riss oder Durchbruch) des betroffenen Gefäßes unmittelbare Lebensgefahr.

So wie Albert Einstein, Thomas Mann und Charles de Gaulle sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 1.200 Menschen an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma (BAA). Die Ruptur führt zu einer schweren inneren Blutung, sodass nur 10% der Betroffenen das Krankenhaus lebend erreichen. Doch auch bei einer sofortigen Operation überleben nur etwa 60% der Patienten den Eingriff.

Diese Notfallsituation ist durch eine rechtzeitige, prophylaktische Operation vermeidbar. Gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren haben seit 2018  Anspruch auf eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Etwa 5% aller Männer über 65 Jahren haben ein behandlungsbedürftige Aortenaneurysma. Bei etwa 95% der abdominalen Aneurysmen handelt es sich um eine Erweiterung unterhalb des Abgangs der Nierenarterien (infrarenales BAA), bei 3% werden die Nierenarterien einbezogen.

Computertomographie mit Darstellung eines großen abdominellen Aortenaneurysmas

CT-Bauchaortenaneurysma

Das Risiko des Platzens nimmt mit steigendem Durchmesser zu und beträgt bei einem Bauchaortenaneurysma von mehr 6 cm ca. 20-30% pro Jahr. Rauchen, hoher Blutdruck und Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko einer Aneurysmaruptur.

Bei Männern wird eine Behandlung ab einem Durchmesser von mehr als 5 cm, bei Frauen ab etwa 4 cm empfohlen.

Diagnostik

An erster Stelle steht eine Ultraschalluntersuchung, die bei Männern über 65 Jahren auch als Vorsorgeuntersuchung kostenlos durchgeführt werden kann.

Zeigt das Aneurysma eine kritische Größe von mehr 4 cm bei Frauen oder mehr als 5 cm bei Männern ist zur genaueren Behandlungsplanung eine Kontrastmittel-Computertomographie in Dünnschichttechnik (1-mm-Schichtdicke) der gesamten Brust- und Bauchschlagader erforderlich.

Aortenstentgraft-Prothese

Therapie

Pro Jahr werden in Deutschland ca. 15.000 Eingriffe bei Erweiterungen der Bauchschlagader durchgeführt. Seit Einführung sogenannter Aortenstentgrafts 1991 wird ein stetig wachsender Anteil endovasculär, dass heißt von innen über die Leistenschlagadern, behandelt. In Deutschland und werden zwischenzeitlich mehr als 70% der Aortenaneurysmen endovasculär versorgt. Für den Patienten bedeutet dies eine erheblich geringe Belastung und ein deutlich niedrigeres OP-Risiko. Meist ist eine Entlassung nach dem Eingriff bereits ab dem 3. Tag nach der Operation möglich.

Wir bieten neben der klassischen, offenen Operation (OR = open repair) auch die endovasculäre Behandlung mittels Stentgrafts (EVAR = Endo-Vasculäres Aneurysma Repair) an. Auch patientenindividuell angepasste Spezialstentgraftprothesen mit Seitenarmen und -fenstern werden regelmäßig in unserer Klinik implantiert. Oftmals ist es möglich, den Eingriff ohne Hautschnitte mittels Punktion durchzuführen, so dass keine sichtbaren Narben verbleiben.

Welches Verfahren im jeweiligen Fall geeignet ist, ist von zahlreichen Faktoren, insbesondere aber anatomischen Gegebenheiten abhängig. Grundsätzlich tendiert man bei jüngeren Patienten eher zu dem offenen OP Verfahren, bei älteren Patienten ist eine endovaskuläre Behandlung zu bevorzugen.

Nach Durchführung der notwendigen Untersuchungen besprechen wir mit Ihnen ausführlich, welches Verfahren für Sie die individuell bestmögliche Lösung darstellt.

Offene Operation

Bei der offen-chirurgischen Operation wird über einen Bauchschnitt der krankhaft erweiterte Abschnitt der Bauchschlagader durch eine Gefäßprothese aus Dacron oder Polyester ersetzt. Der Vorteil dieses Operationsverfahrens liegt darin, dass die Nachsorge einfach und im Regelfall ohne Röntgenuntersuchungen erfolgen kann und Folgeeingriffe nur in seltenen Fällen notwendig sind. Nachteile sind die deutlich höhere Belastung durch den Eingriff, ein meist höherer Blutverlust und eine deutlich längere Rekonvaleszenzphase von ca. sechs-acht Wochen nach dem Eingriff. Insbesondere bei jüngeren Patienten mit gutem Allgemeinzustand ist die offene Operation häufig aber dennoch zu bevorzugen, da Folgeeingriffe nur sehr selten notwendig werden und eine lebenslange Nachsorge mit Röntgenuntersuchungen nicht erforderlich ist. Eine Entlassung aus der stationären Behandlung ist meist erst ab dem 7. postoerpativen Tag möglich.

Sollten wir Ihnen eine offene Ausschaltung empfehlen, führen wir regelmäßig vor der Operation eine ausführliche kardiologische Abklärung inklusive Herzkatheteruntersuchung durch, um Ihr Operationsrisiko weitestgehend zu minimieren.

Endovaskuläre (minimalinvasive) Operation

Bei der minimalinvasiven Operation (Endo Vascular Aneurysm Repair) wird über die Leistenschlagader eine sogenannte Stentgraftprothese in die Aorta eingebracht und dort unter Röntgenkontrolle freigesetzt. Ziel ist es hierbei, den Blutfluß in das Aneurysma vollständig zu unterbinden und das Blut ausschließlich durch die Prothese fließen zu lassen, um somit den Druck auf die Gefäßwand zu reduzieren. Aufgrund gelegentlich nach einer Stentgraftimplantation auftretenden Undichtigkeiten und fortbestehendem Aneurysmawachstum müssen langfristig regelmäßige Nachuntersuchungen mittels Ultraschall und Computertomographie (CT) erfolgen.

Notfall-OP bei Ruptur

Im Falle einer Ruptur ist eine Notfalloperation möglich, der Großteil der Patienten erreicht die Klinik jedoch nicht mehr rechtzeitig. Während die Sterblichkeit bei einem offenen geplanten Eingriff bei deutlich weniger als 5% und einem endovaskulären Eingriff bei unter 0,5% liegt, ist bei einem Notfalleingriff in der Ruptur mit einer Sterblichkeit von mehr als 60% zu rechnen. Im Klinikum am Plattenwald beträgt die Sterblichkeit in der Ruptur aufgrund der großen Erfahrung lediglich 30%. Entscheidend ist die schnellstmögliche Einlieferung in eine geeignete gefäßchirurgische Klinik. In der Region Heilbronn ist ausschließlich das Klinikum am Plattenwald in der Lage, Patienten mit einem Aortenaneurysma sowohl endovaskulär als auch offen rund um die Uhr zu behandeln.

Nachbehandlung

Nach einer offenen Operation schließt sich an den circa 8 bis 10-tägigen Krankenhausaufenthalt im Regelfall eine Anschlussheilbehandlung (Kur) von etwa 3 bis 4 Wochen Dauer an.

Nachkontrollen sollten nach etwa 4 Wochen, anschließend einmal jährlich mittels Ultraschall und einer klinischen Untersuchung erfolgen.

Nach einer endovasculären Behandlung ist ein regelmäßiges Nachsorgeschema einzuhalten. Dieses muss dauerhaft erfolgen, da Komplikationen und daher notwendige Nachbehandlungen meist erst nach einem Zeitraum von vier-fünf Jahren auftreten.

Die Nachsorge umfasst konventionelle Röntgenaufnahmen und eine kontrastmittelverstärkte Ultraschalluntersuchungen (CEUS). Kontrastmittel CT Untersuchung  sind nicht mehr wie bis vor wenigen Jahren noch jährlich, sondern lediglich bei auffälligem Ultraschallbefund erforderlich.