Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK, Schaufensterkrankheit, Raucherbein)

Durchblutungsstörungen der Beine sind eine mit zunehmendem Alter häufig vorkommende Erkrankung. Zugrunde liegt in den meisten Fällen eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), für die neben dem Alter das Rauchen, der Bluthochdruck, die Blutzuckerkrankheit und Fettstoffwechselstörungen als so genannte kardiovaskuläre Risikofaktoren verantwortlich sind. Unser Körper lagert im Laufe des Lebens Fette und Kalk in die Arterienwände ein. Dieser fortwährende Prozess führt zu einem allmählichen und langsamen Verschluss der Blutgefäße. Aufgrund unserer Lebensweise und der steigenden Lebenserwartung nehmen derartige Erkrankungen stetig zu, derzeit leiden ca. eine Millionen Menschen in Deutschland an einer arteriellen Verschlusskrankheit.

Beschwerden treten erst dann auf, wenn die Durchblutung und damit die Zufuhr an Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr ausreicht um den Bedarf des Gewebes zu decken. Zunächst treten nur Beschwerden bei Belastung (Gehen) auf, so dass der Patient stehenbleiben muss (Schaufensterkrankheit). Reicht auch schon in Ruhe die Durchblutung nicht mehr aus, treten Ruheschmerzen und Gefühlsstörungen durch Minderdurchblutung des Nervengewebes auf. Im schlimmsten Fall beginnt Gewebe abzusterben (Raucherbein).

Bei Auftreten von Ruheschmerzen oder absterbendem Gewebe ist das betroffene Bein unmittelbar amputationsgefährdet, so dass eine Behandlung dringend zeitnah erforderlich ist.

Gefäßdarstellung der Beinschlagader mittels Kernspin-Untersuchung

Gefäßdarstellung der Beinschlagader mittels Kernspin-Untersuchung

Diagnostik

Neben einer körperlichen Untersuchung werden im Rahmen der Abklärung zunächst Ultraschalluntersuchungen durchgeführt.

Ergeben sich Hinweise für eine arterielle Verschlusskrankheit (AVK) ist meistens auch für die Planung der Behandlung eine weiterführende bildgebende Diagnostik erforderlich. Hier kommt vornehmlich die Kernspinangiographie (ohne Strahlenbelastung), eine CT Angiographie oder eine konventionelle Angiographie, möglichst in Interventionsbereitschaft, zur Anwendung.

Therapie

Im Vordergrund der Behandlung peripherer Durchblutungsstörungen steht eine Änderung der Lebensgewohnheiten und eine optimale Behandlung der sogenannten kardiovaskulären Risikofaktoren. Unverzichtbar ist ein konsequenter Nikotinverzicht, die medikamentöse Blutdruckeinstellung und eine Optimierung der Stoffwechsellage beispielsweise bei einem Diabetes mellitus oder erhöhten Blutfettwerten. Körperliche Bewegung, vornehmlich ein regelmäßiges strukturiertes Gehtraining kann bei der Schaufensterkrankheit zu einer deutlichen Verbesserung der Gehstrecke beitragen und eine invasive Behandlung überflüssig machen.

In vielen Fällen kann heutzutage eine Operation vermieden oder zumindest aufgeschoben und die verschlossene oder verengte Schlagader mittels Kathetern, Ballons und Stents minimal-invasiv, interventionell, d.h. mit einem Eingriff durch die Gefäße wiedereröffnet werden. Diese Eingriffe können wie eine Herzkatheteruntersuchung auch in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Meist kann der Patient schon nach wenigen Tagen die Klinik wieder verlassen.

Bei einer ausgedehnten, mehrere Gefäßregionen betreffenden Erkrankung oder längerstreckigen Gefäßverschlüssen ist häufig aber eine Operation erforderlich, um eine ausreichende Durchblutung wiederherzustellen.  Bei Bypassanlagen favorisieren wir aufgrund der besseren Langzeitergebnisse wann immer möglich Bypässe aus körpereigenem Material, z.B. oberflächlichen Beinvenen oder Armvenen. Insbesondere in Hinblick auf die Nachhaltigkeit sind Bypassanlagen den endovasculären Verfahren meist überlegen und häufig auch noch möglich, wenn endovasculäre Behandlungsverfahren ausgereizt sind.  Sind keine geeigneten Venen mehr vorhanden können auch Kunststoffprothesen eingesetzt werden. Wir führen regelmäßig das gesamte Spektrum der peripheren Bypasschirurgie inklusive sogenannter Extrembypasschirurgie mit  cruropedalen Bypassimplantationen und auch Revisionseingriffe bei Bypassverschlüssen durch.

Durch die Kombination interventioneller Techniken (Katheter, Ballons, Stents) mit operativen Techniken (Ausschälplastiken, Bypassoperationen), sogenannten Hybridoperationen, können wir ein individuelles, optimal auf   den Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept anbieten.

Wir verfügen über eine hochmoderne Angiographieanlage im OP (Hybrid-OP) mit neuester Technik und haben ein umfangreiches Lager an Materialien auch im OP zur Verfügung, so dass wir zu jeder Tages- und Nachtzeit Eingriffe sowohl interventionell als auch operativ durchführen können.

Als eines der wenigen gefäßchirurgischen Zentren können wir unseren Patienten das gesamte operative und interventionelle Behandlungsspektrum aus einer (gefäßchirurgischen) Hand anbieten (“total vascular care“).