

Die Diskussion um die zukünftige Entwicklung des Standortes Löwenstein hat mit der Vorstellung einer sogenannten KI-Studie, die durch die Stadt Löwenstein in Auftrag gegeben wurde, einen vorläufigen negativen Höhepunkt erreicht.
Die am gestrigen Montag im Auftrag der Stadt Löwenstein vorgestellte sogenannte KI-Studie zu den Auswirkungen einer möglichen Verlagerung der Leistungsbereiche des Fachklinik Löwenstein interpretiert Gesetze falsch oder ignoriert deren Existenz, hält einer fachlich fundierten Prüfung nicht stand, basiert auf mangelnder Sachkenntnis und erfüllt wissenschaftliche Standards nicht. Zudem wurde KI hier verantwortungslos eingesetzt und offensichtlich bewusst einseitig „gefüttert“.
Fakten ignoriert
Die im Rahmen der SLK-Medizinstrategie 2030 geprüften Szenarien sind das Ergebnis eines mehrstufigen, fachlich fundierten Prüfprozesses die unter Berücksichtigung des medizinischen Leistungsspektrums, der Infrastruktur, der Fördermöglichkeiten, der personeller Anforderungen und der Wirtschaftlichkeit entstanden sind. Die sogenannte KI-Studie der Stadt Löwenstein hingegen ist das Gegenteil – eine kurzfristig entstandene „Analyse“, deren Aussagen nicht belastbar sind.
Dies gilt zunächst insbesondere für die Darstellung der Krankenhausreform, die – laut Ergebnis der Studie – noch nicht endgültig festgelegt sei. Das ist eine grundlegende Falschaussage und führt die Studie somit selbst ad absurdum, denn: Der Bundestag hat am Freitag, 6. März 2026 das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) beschlossen – eine gesetzgeberische Weiterentwicklung der bereits 2024 beschlossene „Krankenhausreform“
(Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz – KHVVG). Am 15. April 2026 ist das KHAG in Kraft getreten. Die Gesetzgebung ist eine der wesentlichen Grundlagen für die Empfehlung zur SLK-Medizinstrategie 2030. Dies in Frage zu stellen, stellt gegebene Fakten infrage und ist bewusst irreführend.
Unzureichende Sachkenntnis
Die in der Studie aufgestellten Thesen zeigen vor allem eines – ihnen liegen falsche Annahmen und eine unzureichende Kenntnis der Sachlage zugrunde. So wird beispielsweise behauptet, dass Fachkliniken im Rahmen der Krankenhausreform unangetastet bleiben. Das entspricht nicht der Realität. Auch Fachkliniken müssen künftig klare Struktur- und Qualitätskriterien nachweisbar erfüllen. Ebenso werden ökonomische Aspekte falsch beleuchtet. Die finanziellen Kennzahlen der Klinik Löwenstein sprechen über die vergangenen 15 Jahren gesehen, mit Ausnahme von einem Jahr, eine deutlich defizitäre Sprache. Es kann also keine Rede von einem profitablen Standort sein. Zudem wurde in der Studie der im Rahmen der Krankenhausreform beschlossenen sogenannte Transformationsfonds ignoriert. Dieser unterstützt Krankenhäuser finanziell ausschließlich unter anderem bei Umstrukturierungen, wie beispielsweise bei der Zusammenlegung von Standorten. Fördermittel für den Erhalt des Status Quo sind vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Und – in Bezug auf das Thema Leistungsgruppen – wird behauptet, dass am Standort Löwenstein schon jetzt Mindestkriterien, die durch den Gesetzgeber gefordert werden, erfüllt werden. Das stimmt – jedoch nur punktuell und gegenwärtig. Die Krankenhausreform verlangt aber dauerhaft stabile Strukturen. Zudem wird in diesem Zusammenhang angeführt, dass es durch die Verlagerung dazu käme, dass gesetzgeberische Kriterien nicht mehr erfüllt werden könnten. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Bündelung an nur noch zwei Standorten könnten entsprechende Kriterien im Sinne der Konzentration und Spezialisierung besser erfüllt werden.
Einseitige Herangehensweise
Neben diesen qualitativen Einschränkungen ist zu berücksichtigen, dass die sogenannte
KI-Studie eine stark auf die Interessen und lokale Perspektive der Stadt Löwenstein ausgerichtete Betrachtung darstellt. Die Präsentation fokussiert die Situation der Fachklinik Löwenstein isoliert und blendet dabei die übergeordneten strategischen Zielsetzungen der Gesundheitsversorgung für den Stadt- und Landkreis insgesamt weitgehend aus.
Wissenschaftlich intransparent
In der sogenannte KI-Studie der Stadt Löwenstein wurden weder die jeweils spezifischen Datenquellen noch die methodischen Annahmen der Analyse transparent offengelegt. Dies macht es aus Sicht der SLK-Kliniken schlichtweg unmöglich, die Ergebnisse nachzuvollziehen und einer eigenständigen Prüfung zu unterziehen.
Populismus Entgegenwirken
SLK-Geschäftsführer Georg Schmidt zeigt sich von der Vorgehensweise der sogenannten KI-Studie sehr irritiert und sagt: „Wir sind, offen gesprochen, ziemlich entsetzt. Die Sorgen unserer Mitarbeitenden und auch der Menschen in Löwenstein brauchen ihren Raum, ganz klar. Was aber nicht passieren darf, ist eine rein emotionalisierte Darstellung, die Fakten falsch auslegt und populistische Meinungsbildung in Kauf nimmt.“
Aus Sicht des SLK-Verbundes kommt in diesem Zusammenhang deshalb einer sorgfältigen, fundierten und qualitativ hochwertigen Berichterstattung eine zentrale Rolle zu. Eine sachliche und ausgewogene Darstellung der Fakten trägt wesentlich dazu bei, Vertrauen zu schaffen und Polarisierung entgegenzuwirken. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt, Hintergründe verständlich eingeordnet und Entwicklungen transparent nachvollziehbar gemacht werden. „Nur so kann eine informierte öffentliche Diskussion entstehen, die auf Wissen statt auf Spekulation oder Emotionen basiert“, so Georg Schmidt.