Außergewöhnliche Geburt: Die kleine E. blieb noch so lange über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden und somit vollkommen versorgt, bis ihre Atemwege gesichert waren.

 

Bildnachweis: SLK-Kliniken Heilbronn GmbH.

 

25.07.2025

Außergewöhnliche Geburt

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Bei jeder Entbindung wird deutlich: Die Geburt ist ein Wunder, das Leben ein Geschenk. Erst kürzlich war für eine einmalige Geburt im Klinikum am Gesundbrunnen die Expertise eines mehrköpfigen Teams gefordert.

Mit jährlich rund 3.000 Geburten zählt die SLK-Geburtshilfe innerhalb Baden-Württembergs mit einem sehr erfahrenen und eingespielten Team zu den Top-Kliniken. Doch diese Geburt war einmalig und bedeutete selbst für erfahrene SLK-Medizinier kein Alltag. Denn im Frühjahr dieses Jahres stand ein 20-köpfiges multidisziplinäres Team bei der Entbindung der kleinen E. vor einer außergewöhnlichen Herausforderung, die es so bei SLK noch nie gab. Das Mädchen kam mithilfe der sogenannten „Ex-utero-intrapartalen Prozedur“ (EXIT-Prozedur) auf die Welt. Der Unterschied zu einem herkömmlichen Kaiserschnitt liegt darin, dass das Neugeborene noch so lange über die Nabelschnur mit der Mutter verbunden und somit vollkommen versorgt bleibt, bis seine Atemwege gesichert sind. Erst dann wird abgenabelt. 
Doch warum diese Vorgehensweise? Bei E. wurde bei einer Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft eine Zyste an der Zungenunterseite entdeckt, die ob ihrer Größe und Lage drohte, die Mundhöhle und somit die Atmung nach der Geburt zu blockieren. 

Risiko minimiert
Dr. Maurice Petrasch, leitender Oberarzt der Kinderklinik, war gemeinsam mit Oberärztin Dr. Anke Geier-Nadler (ebenso Kinderklinik) mit im OP. Er sagt: „Das gesamte Team hat sich im Vorfeld nach Abwägung aller Risiken zum Wohle des Kindes und der Mutter für diese spezielle Entbindungsmethode entschieden“. Die EXIT-Prozedur und die damit gewonnene Zeit nach der Entbindung ermöglichte es Prof. Burkard Lippert, Direktor der HNO-Klinik und seinem leitenden Oberarzt, Dr. Klaus Feist, dank ihrer ausgezeichneten fachlichen Expertise, die Zyste von E. zu entlasten und ihre Atemwege zu sichern, während das kleine Mädchen noch durch die Plazenta der Mutter versorgt wurde. Parallel kümmerten sich Ärzte der Kinderklinik um den Kreislauf des Mädchens, während Prof. de Gregorio, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und „sein“ Oberarzt Florian Trummer alles „rund um den Kaiserschnitt“ managten. Und auch für das „Team Anästhesie“, unter Leitung von Oberarzt Björn Lange war die EXIT-Prozedur eine große Herausforderung. Es trug – neben der Steuerung der Narkose für die Mutter – einerseits die Verantwortung dafür, dass die Plazenta bis zur Abnabelung ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wurde, anderseits zusätzlich dafür, dass sich die Plazenta aufgrund von möglichen Wehen nicht ablöste und es womöglich zu unkontrollierten Blutungen bei der Mutter käme. „Die Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen war hervorragend, darauf können wir sehr stolz sein“, zog Prof. de Gregorio ein sehr zufriedenes Fazit.

Vertrauen aufgebaut
Während die Tage vor dem geplanten Eingriff bei SLK von akribischer Vorbereitung geprägt waren, hieß es für die werdenden Eltern mit einer immer größer werdenden Anspannung zurechtzukommen. „Dabei hat uns der jederzeit gute Austausch mit den Ärzten von SLK sehr beruhigt. Es entstand sehr schnell großes Vertrauen“, berichtet Vater M. Der erfolgreiche Ausgang bedeutete dann großes Familienglück auf der einen Seite sowie Lohn für die tolle Teamarbeit von Geburtshilfe, HNO-Klinik, Radiologie sowie Kinderklinik und Anästhesie auf der anderen. Oder um es mit Dr. Petrasch auszudrücken: „Jede Abteilung hat gezaubert.“ 
Die SLK-Kliniken haben damit unter Beweis gestellt, dass sie auch für solch außergewöhnliche Geburten gut gerüstet sind und dadurch auch die seit Jahren immer wieder bestätigte Ausweisung als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, Level 1 eindrucksvoll untermauert. Zusammen mit der neonatologischen Abteilung der Kinderklinik bildet die geburtshilflichen Abteilung der SLK-Frauenklinik das Perinatalzentrum für die Stadt und den Landkreis Heilbronn. Die kleine E. hat alles nach der Geburt gut überstanden und konnte gemeinsam mit ihren Eltern die SLK-Kliniken nach neun Tagen verlassen. Auch wenn die Zyste selbst in einem kleinen Eingriff noch chirurgisch entfernt werden muss, sind die Eltern überglücklich über ihre „kleine Maus, die uns schon jetzt regelmäßig den Kopf verdreht“, wie Papa M. schwärmt.

Mitentscheidender „Helfer“
Ganz maßgeblich dafür, dass die EXIT-Prozedur optimal durchgeführt werden konnte, war auch der Einsatz eines sogenannten „birth trolley“ – ein mobiler medizinischer Tisch, der direkt über den OP-Tisch, auf dem die Mutter liegt, gefahren werden kann. Einmal mehr mitverantwortlich hierfür darf sich der Förderverein für medizinische Innovation (FMI) zeichnen, der die Anschaffung, die bereits Ende vergangenen Jahres über die Bühne ging, wesentlich finanziell unterstützte. Prof. Burkard Lippert, seines Zeichens auch Vorsitzender des FMI: „Es hat sich auch in diesem Fall gezeigt, dass eine medizinische Ausstattung auf absolutem Top-Niveau einen enormen Mehrwert für unsere Patienten und auch für uns als Medizinier bietet. Auch dadurch sind wir als SLK-Kliniken immer wieder in der Lage, Medizin auf universitärem  Niveau anzubieten.“
 

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