Auf dem Foto noch im Krankenhaus, inzwischen glücklich zuhause: Familie Ortekin.
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SLK-Geburtshelfer verhalfen einer Mutter nach vier Monaten Krankenhausaufenthalt Ende Juli zur Geburt ihres ersten Kindes. Und dass, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht vorteilhaft waren und die werdenden Eltern in der Schwangerschaft schwere Schicksalsschläge verkraften mussten.
Es ist Mitte März 2025: Rahsan Ortekin spürt gleich am Morgen nach dem Aufstehen, dass etwas nicht stimmt. Sie ist zu diesem Zeitpunkt schwanger mit Zwillingen und fühlte sich „in den Wochen davor eigentlich gut“. Doch nur wenige Stunden später gibt es traurige Gewissheit. Ärzte der SLK-Geburtshilfe eröffnen ihr, dass sie ein Kind verlieren wird, denn der Muttermund hat sich geöffnet und die Geburt in der 20. Schwangerschaftswoche und damit vor der medizinischen Lebensfähigkeit ist nicht mehr aufzuhalten. Für Rahsan Ortekin und ihren Mann bricht eine Welt zusammen – und das nicht zum ersten Mal, erwarteten sie zu Beginn der Schwangerschaft sogar Drillinge.
Doch es gibt in diesem Moment auch so etwas wie Hoffnung. Hoffnung darauf, dass das andere Kind im Bauch bleibt. Rahsan Ortekin: „Die Ärzte haben uns nichts versprochen, aber sie haben uns Mut gemacht und uns einen Weg aufgezeigt, wie es gelingen könnte, wenigstens ein Kind zu retten.“
Durchhalten und trauern
Fortan gehörten Oberarzt Florian Trummer, die neuen Leiterin der Sektion Geburtshilfe, Elionor Roma Mas und Oberärztin Froukje Snaaijer-Grotheer zum „engsten Kreis, mit dem ich täglich im Austausch stand“, erzählt Rahsan Ortekin. Gemeinsam mit Klinikdirektor Prof. Nikolaus de Gregorio entschieden sich das Team und die Schwangere dafür, den Gebärmutterhals unmittelbar nach der unvermeidbaren und nicht lebensfähigen Frühgeburt des einen Zwillings operativ zu verschließen (zuzunähen) und zusätzlich mit Medikamenten die Wehen zu hemmen. So sollte dem weiteren Fötus die Chance gegeben werden, weiterhin im Bauch der Mama wachsen und sich entwickeln zu dürfen. Für die gesamte Familie Ortekin, ihren Mann, vor allem aber für Rahsan Ortekin selbst, begann nun eine schier ewig andauernde Zeit des Hoffens, des Bangens und des Wartens. Eine enorme Belastung – sowohl physisch als auch psychisch. Auf der einen Seite war da ein unbändiger Wille durchzuhalten „für die Kleine“, wie Rahsan Ortekin erzählt „um alles zu versuchen, damit sie leben darf“. Und auf der anderen Seite war und ist da Trauer über den Verlust zweier weiterer Kinder, von denen eines davon auf die Welt gebracht werden musste und nur wenige Stunden unter uns war. „Das zerreißt mich noch heute“, erzählt die junge Mama trauernd von diesen Momenten und wirkt dabei gleichzeitig doch auch so unglaublich stark. Einen Moment später fällt ihr Blick auf das Babybett neben ihr. „Sie ist eine Löwin“, sagt die 47-Jährige und meint damit ihre Tochter. Die kleine Evin Dila, gerade einmal wenige Tage alt, hat es gemeinsam mit ihrer Mama geschafft: Sie lebt, ist gesund und kam fast 18 Wochen nach der Geburt ihres Bruders auf die Welt.
Nähe und Vertrauen
Ihrer Mama kommen die Tränen als sie von den vergangenen Wochen und Monaten erzählt, in denen „sie sich nur auf die Kleine konzentriert“ habe. Während der viermonatigen Phase im Krankenhaus vertreibt sie sich die Zeit mit dem Smartphone, fordert dabei über Spiele ihr Gedächtnis und ihre Geschicklichkeit selbst heraus – und knüpft abseits der digitalen Welt wertvolle persönliche Kontakte. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht alleine bin“, erzählt die Obereisesheimerin. Sie selbst wird dabei mit ihrer eigenen Geschichte schnell zu einer Art Vorbild für Frauen, die eine ähnlich anstrengende Schwangerschaft durchleben. Rahsan Ortekin: „Wenn ich mit diesen Frauen spreche, merke ich, dass alleine der Austausch untereinander hilft und auch mir guttut.“ „Was Frau Ortekin durchgemacht hat, was sie auch körperlich aushalten musste und wie sie dieses Schicksal angenommen hat, ist unglaublich beeindruckend“, fasst Oberarzt Florian Trummer die berührende Geschichte emotional zusammen und sagt weiter: „Sie hat uns vollkommen vertraut. Und wir konnten zeigen, was die SLK-Geburtshilfe so stark macht. Menschliche Nähe auf der einen Seite und fachliche Expertise auf dem allerhöchsten Niveau auf der anderen Seite.“
„Es ist, auch an großen geburtshilflichen Zentren sehr selten, dass eine Geburt von Zwillingskindern zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt durchgeführt wird. Extrem außergewöhnlich ist es aber, dass Frau Ortekin es sogar über die 37. Schwangerschaftswoche hinaus geschafft hat“, unterstreicht Elionor Roma Mas die Leistung der SLK-Geburtshilfe. Für die junge Mutter war „die tolle Kommunikation mit den Ärzten“ ganz wesentlich, dass ich es geschafft habe“. Dabei gab es keine Garantie für ein glückliches Ende, denn „es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass nach der viel zu frühen Geburt des einen Kindes auch das Zweite ebenfalls nur kurze Zeit später auf die Welt gekommen wäre“, erklärt die neue Leiterin der SLK-Geburtshilfe. Zudem können die zweiten Kinder häufig bereits im Mutterleib eine schwere Infektion erleiden. Eine Zwillingsgeburt in einem solche großen zeitlichen Abstand ist deshalb ein medizinischer Balance-Akt. Für die kleine Evin Dila bedeutete dieses Vorgehen nicht nur die Chance auf ein Überleben – in ihrem Fall konnte mit der Geburt, nahe am ursprünglich errechneten Geburtstermin, sogar eine Frühgeburt und damit verbundene Probleme vermieden werden.
In besten Händen
Dass es aber zu einem Happy End kam, ist ein gemeinsames Verdienst von Mama und dem Team der SLK-Geburtshilfe, das bereits seit vielen Jahren als Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe, Level Eins – welches von der neonatologischen Abteilung der Kinderklinik und der SLK-Geburtshilfe gebildet wird und für den gesamten Stadt- und Landkreis Heilbronn zuständig ist – ausgewiesen ist. Das Team begleitet Mütter und Kinder bei allen Herausforderungen und Komplikationen in einer Schwangerschaft sowie bei einem frühgeborenem Start ins Leben. Insgesamt erblicken bei den SLK-Kliniken Jahr für Jahr rund 3.000 Kinder das Licht der Welt. Evin Dila ist jetzt eines davon. Ein Kind, dessen Geburt ein Beweis dafür ist, dass es sich lohnen kann, nie die Hoffnung zu verlieren. Eine Geburt, die zeigt, wie leistungsfähig die SLK-Geburtshilfe ist. Und eine Geburt die zeigt, was für eine starke Mama Evin Dila hat.
Rahsan Ortekin: „Diese lange Zeit bei den SLK-Kliniken wird mich mein Leben lang prägen. Mein Dank an alle Ärzte und Pflegekräfte könnte