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Klinikum am Gesundbrunnen, 18.12.2014

Ernährungsmedizin bei Krebs verbessert Überlebenschancen

SLK-Kliniken beteiligen sich an Pilotprojekt

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Jedes Jahr sterben mehr als 100.000 Krebspatienten in Deutschland an den Folgen der Mangelernährung, weil sie nicht ausreichend ernährungsmedizinisch versorgt werden. Deshalb beteiligen sich die SLK-Kliniken an einem deutschlandweit einzigartigen Pilotprojekt der Deutschen Stiftung gegen Mangelernährung: Als erste Klinik in Deutschland wurde am Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn eine ernährungsmedizinische Versorgung für Tumorpatienten in Anlehnung an das „Optimierte Münsteraner Modell“ eingerichtet.

Die Deutsche Stiftung gegen Mangelernährung hat sich zum Ziel gesetzt, ein deutschlandweites Netz an Ernährungsambulanzen in Krankenhäusern und Kliniken zu schaffen, um die Versorgung der Betroffenen sicherzustellen. Prof. Dr. Markus Masin, Vorstand der Deutschen Stiftung gegen Mangelernährung und Beauftragter Clinical Nutrition des Universitätsklinikums Münster, hat mit seinen Kollegen des Universitätsklinikums ein strukturiertes Model entworfen, wie die Ernährungsmedizin in den Kliniken optimal abgebildet werden sollte. Seit Anfang Dezember wird dies nun am Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn umgesetzt. Das „Münsteraner Model“ sieht vor, den Ernährungszustand aller Patienten strukturiert zu erfassen und individuelle ernährungsmedizinische Therapiemaßnahmen abzuleiten. Zuständig für diese Aufgabe bei den SLK-Kliniken ist die Ernährungsbeauftragte Marie-Luise Többens. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin, die einen neugeschaffenen Studiengang Clinical Nutrition abgeschlossen hat, betreut sie in Zukunft die Patienten des Tumorzentrums Heilbronn-Franken im Klinikum am Gesundbrunnen.

„Auch vor der Einführung des neuen Modells wurden unsere Patienten Ernährungsmedizinisch betreut. Die Diätassistenten, Ärzte und Brückenpflege arbeiten hierbei eng zusammen. Auch unsere hausinterne Apotheke war zum Beispiel bei der individuellen Therapieplanung der künstlichen Ernährung stark eingebunden“, erklärt Prof. Dr. Uwe Martens, Geschäftsführender Vorstand des Tumorzentrums Heilbronn-Franken. „Durch die Unterstützung der Stiftung ist es aber nun möglich, die Diagnose und Behandlung ernährungsmedizinischer Faktoren im Rahmen einer ganzheitlichen Versorgung noch weiter zu optimieren und auszubauen. Dies bedeutet eine weitere Verbesserung der Behandlungsqualität für unsere Patienten aber auch eine große Entlastung für unsere Mitarbeiter.“

Mehr als die Hälfte der Tumorpatienten weist bereits vor Diagnosestellung einen Gewichtsverlust auf. Studien zeigen, dass eine Mangelernährung ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für einen ungünstigen Krankheitsverlauf ist. Das Immunsystem wird geschwächt, die Patienten vertragen die belastende Chemotherapie schlechter und müssen teilweise sogar die Therapie abbrechen. Es wird geschätzt, dass bis zu 25 Prozent der Tumorpatienten nicht an ihrer Krebserkrankung, sondern an den Folgen ihrer körperlichen Auszehrung versterben.

„Die Ernährungsmedizin muss integraler Bestandteil der Behandlung werden. Viele Onkologen unterschätzen leider noch immer die enormen Auswirkungen der Ernährungsmedizin auf den Behandlungserfolg“, warnt Prof. Masin. Voraussetzung für eine bessere Versorgung der bedürftigen Patienten ist, dass es entsprechend ausgebildete Experten gibt. Dazu hat Prof. Masin einen ersten Schritt getan. Er richtete an der Mathias Hochschule in Rheine, Kreis Steinfurt, den Studiengang „Clinical Nutrition“ ein. Dort werden die Ernährungsexperten ausgebildet, die in den Kliniken dringend gebraucht werden. Um gleichzeitig die Voraussetzung zu schaffen, dass ihre Arbeit honoriert wird, appelliert die Stiftung an die Politik. Die Kosten für ein solches Angebot werden nicht von den Krankenkassen erstattet. Aus diesem Grund trägt die Stiftung die Kosten für Aufbau und Betrieb der Einrichtung am Heilbronner SLK-Klinikum.

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