Diagnostik und Therapie

Umfassende Behandlung und Diagnose von Prostatakrebs

Therapie des Prostatakarzinoms steht seit mehr als 15 Jahren im Mittelpunkt der klinischen Forschung und Diagnose an der Klinik für Urologie.

Aktuell befassen wir uns in Studien unter anderem mit neuen Verfahren zur Behandlung kleiner, auf die Prostata begrenzter Prostatakarzinome (Tookad-Studie).

Unsere Therapieformen

An unserem Klinikum erfolgt eine umfassende Behandlung des Prostatakarzinoms mit kurativer Intention unter Einsatz der:

  • laparoskopische radikale Prostatektomie
  • Brachytherapie
  • Fokale Therapie mit TOOKAD
  • Chemotherapie
  • Hormontherapie

Beschränkt sich ein Prostatakarzinom auf das jeweilige Organ, ist dessen operative Entfernung nach neuesten Forschungsergebnissen die sicherste Behandlungsmethode.

Die radikalen Prostatektomie erfolgt an unserem Klinikum ausschließlich laparoskopisch. Die speziell hierfür entwickelte "Heilbronner Technik" hat sich in über 4.000 Eingriffen als Standardverfahren etabliert.

Ein wesentliches Ziel der Therapie ist hierbei die Erhaltung der Kontinenz. 

Für Patienten im Frühstadium, d. h.

  • PSA unter 10,
  • Gleason Score unter 8,
  • kein Kapseldurchbruch

besteht die Möglichkeit einer nervenschonenden Technik zum Erhalt der Potenz. Entsprechend dem modifizierten "Kieler Modell", einem von Prof. Jünemann et al. in Kiel entwickelten Behandlungsalgorithmus, empfehlen wir bei nachweisbaren Erektionen die regelmäßige Einnahme von Tadalafil oder Sildenafil zur weiteren Verbesserung der erektilen Funktion. Sind keine nächtlichen Erektionen nachweisbar, kann eine SKAT-Therapie (Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie) begonnen werden, um eine Rehabilitation der erektilen Funktion zu erreichen.

Brachytherapie

Im Gegensatz zur radikalen Prostatektomie zielt die Brachytherapie auf die Erhaltung des Organs. Es handelt sich um ein minimal-invasives strahlentherapeutisches Verfahren, welches den Tumor von innen bestrahlt und wissenschaftlich weltweit große Akzeptanz genießt. Wir bevorzugen diese Methode allerdings nur bei Patienten, die für eine laparoskopische radikale Prostatektomie nicht in Frage kommen. Prof. Jens Rassweiler führt seit 1986 diese Methode durch.

TOOKAD

Fokale Therapie mit TOOKAD: Für lokalisierte Prostatakarzinome mit niedrigem Risiko (Gleason Score 3+3=6, PSA <10 ng/ml, klinisches Stadium T1c und T2a, maximal 3 positive Stanzbiopsien auch nur einer Seite) bieten wir eine fokale Therapie mit TOOKAD an. Dabei wird die Prostata über Laserfasern, die während der Operation über den Damm in die Prostata eingebracht werden, mit Laser belichtet, während das Medikament TOOKAD intraverös verabreicht wird. Dies führt zu einer Ablation nur des Teils der Prostata, der vom Krebs befallen ist. Am Ende der Behandlung, die etwa 90 Minuten dauert und in Narkose durchgeführt wird, werden die Laserfasern wieder entfernt. Die Patienten sind insgesamt 3-4 Tage in der Klinik. Im Gegensatz zu radikalen Therapieverfahren wir radikaler Prostatektomie oder Bestrahlung der ganzen Prostata sind treten bei der TOOKAD-Therapie weniger Nebenwirkungen auf. Dieses neue Verfahren wird von einer Studie begleitet. Die Krankenkassen erstatten mittlerweile die Kosten dafür. Beratung über Oberarzt Dr. Marcel Fiedler.

Bei örtlich fortgeschrittenen Tumoren, welche die Grenze des Organs überschritten haben und nicht operiert werden können, wählen wir die "Medikamentöse Tumortherapie", zum Beispiel mit Hormontherapie, Taxotere (Doxotacel), Abiraterone oder Enzalutamid. Diese Behandlung erfolgt an unserer Klinik überwiegend ambulant.

Im Überblick:

  • Dodekanten Stanzbiopsie und gezielte Biopsien mittels MRT-Ultraschall-Fusion
  • mehr als 4.000 radikale Prostatektomien, seit 2009 auch Roboter-assisitert
  • SKAT-Therapie (Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie) zur Rehabilitation der Potenz
  • Brachytherapie
  • Fokale Therapie mit TOOKAD
  • Studien zur Verbesserung der medikamentösen Nachbehandlung
  • Behandlung von fortgeschrittenen Tumoren mittels Systemtherapie, Schmerztherapie und Palliativmedizin

Diagnose und Früherkennung

Die Klinik für Urologie empfiehlt neben der jährlichen Vorsorgeuntersuchung zur Prostatakarzinom Früherkennung, eine weiterführende zusätzliche und regelmäßige Blutuntersuchung zur Ermittlung des PSA Wertes. Prof. Jens Rassweiler hat sich hinsichtlich der kontrovers diskutierten Diagnosesicherheit in wissenschaftlichen Veröffentlichungen geäußert und ist ein Bekenner des intelligenten Einsatzes des PSA (Verlaufsbeobachtung, Anstiegsgeschwindigkeit) zur Früherkennung des Prostatakarzinmons. In der Klinik für Urologie wurde das standardisierte Verfahren der Gewebeprobe hin zur "Dodekanten Stanzbiopsie" weiterentwickelt. Unter Monitorsicht werden 12 (statt 6) feine Stanzzylinder aus genau definierten Bereichen der Prostata entnommen. Wir dokumentieren die Entnahme mittels transrektalem Ultraschall (TRUS). Außerdem betten wir die Stanzzylinder selbst ein, so dass wir exakt die Lokalisation des Tumors in der Prostata erhalten. Dies ist wichtig für die Strategie bei der laparoskopischen Prostatektomie, insbesondere zum Potenzerhalt (Möglichkeit der Schonung der Erektionsnerven).

Zusätzlich führen wir eine gezielte Biopsie der Prostata mit dem Koelis-System nach vorheriger multiparametrischer MRT-Untersuchung durch. Die systematische plus gezielte Stanzbiopsie sichert die Diagnose im Detail, auf deren Grundlage ein geeignetes Therapiekonzept für den Patienten erstellt werden kann.

Nachsorge nach durchgeführter Behandlung des Prostatakarzinoms
Im Mittelpunkt der Nachsorge steht neben speziellen urologischen Untersuchungen die Überwachung des PSA-Blutwertes. Dieser sollte nach der Entfernung der tumorbefallenen Prostata nicht mehr messbar sein (< 0,1 ng/ml).

Das Leitungsspektrum unserer Klinik umfasst im Rahmen der Tumornachsorge alle Formen der Schmerztherapie und der Palliativmedizin.

Das Prostatakarzinomzentrum Heilbronn-Franken ist durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert.