Die Psyche: Seelische Verarbeitung als
Chance sehen

Wie ein Alptraum wird die Krankheit Brustkrebs vom Tag der Diagnose, oft noch früher, vom Tag des Wissens um einen Knoten in der Brust erlebt. Diesen ständig präsenten und plagenden Alptraum möchte man am liebsten aus dem Gedächtnis löschen. Doch gibt es daraus kein Erwachen mit einem Ende des Spuks.

Manchmal überrascht das Gefühl, neben sich selbst zu stehen, vermittelt den Eindruck, dass einen das alles gar nichts angeht. Dieser tranceähnliche Zustand kann aber gerade am Anfang des Wissens um die Krankheit vor zu großer Verzweiflung und Erschütterung schützen. Irgendwann jedoch wird dieser böse Traum von der Tatsache eingeholt, dass es sich um Wirklichkeit handelt, um einen unumstößlichen Einschnitt im Leben mit schwerwiegenden Erfahrungen, die sich nicht auf Nimmerwiedersehen in eine Schublade verbannen lassen. Im Laufe der Krankheit wird das jeder betroffenen Frau immer bewusster – auch, dass sie damit umzugehen lernen und mit der Krankheit fertig werden muss.

Die Krankheit verarbeiten

Auf Brustkrebs reagiert jede betroffene Frau anders und daher wird die Erkrankung auch individuell sehr unterschiedlich angenommen und verarbeitet. Patentrezepte zur Bewältigung gibt es also nicht. Jede Frau muss einen für sich geeigneten Weg finden.

Die Krankheit als Chance sehen

Um seelisch wieder auf die Beine zu kommen, ist für manche Frau ihr Glaube an Gott eine große Hilfe. Oft lernt sie diese seelische Stütze wieder neu kennen, die sie wieder sehr stark werden lässt. Legen sich die ersten verwirrenden Gefühle und extremen psychischen Belastungen, stellen viele Frauen fest, dass sie wieder Lichtblicke im Leben sehen, das Leben oft auch bewusster erleben als vor der Krankheit, wieder Dinge und Werte neu entdecken, die ihnen abhandengekommen waren. Es mag verwunderlich klingen, aber viele Frauen berichten, dass ihnen durch die Krankheit eine Last von den Schultern genommen oder mit dem Tumor etwas „Böses“ entfernt worden sei. So bekommt das Leben nach einer Krankheit manchmal ein anderes, besseres Gesicht.

Die Nachsorge

Die im Brustzentrum zusammen geschlossenen Kliniken sind für die operative und medikamentöse Behandlung von Brustkrebs zuständig. Auch die Strahlentherapie gehört zu den Aufgaben eines Brustzentrums. Nach der Durchführung dieser Therapieschritte ist die Primärbehandlung abgeschlossen. Jetzt kommt die Phase der Nachsorge. Die Nachsorge wird wieder von der niedergelassenen Frauenärztin, dem niedergelassenen Frauenarzt durchgeführt. Die Frauenärztin, der Frauenarzt wird über die Therapie des Brustzentrums regelmäßig informiert und kann so auch schon während der Therapie bei Fragen, Sorgen und Problemen helfen.

Aus dem Buch „Brustkrebs wirksam behandeln“ von Prof. Dr. W. Eiermann und S. Böttger, Midena Verlag, München, ISBN 3-310-00726-X

Psychoonkologie

Der Umgang mit der Erkrankung ist für fast alle Frauen vor allem am Anfang schwierig und stellt oft ein großes Problem dar. Mit diesem Thema beschäftigt sich ein eigener Teilbereich der Psychologie nämlich die Psychoonkologie. Psychologen, die in der Beratung und Behandlung von Tumorpatientinnen speziell ausgebildet sind, werden Psychoonkologen genannt. In der Frauenklinik am Gesundbrunnen besteht die Möglichkeit der Hilfe durch eine ausgebildete Psychoonkologin.

Persönlich - Bericht einer betroffenen Frau

Leider hatte ich mich nie mit der Krankheit „Brustkrebs“ befasst. Wer tut das auch schon, so lange man gesund ist. Deshalb war die zufällige Entdeckung einer Verhärtung in der linken Brust ein enormer Schock. Ich wusste wenig über die nun anstehenden Behandlungsmöglichkeiten und über das, was auf mich zukommen wird. Die Alternative, den Kopf in den Sand zu stecken, stellte sich für mich nicht. Dies ersparte mir wohl weit schwerwiegendere Konsequenzen in der Nachbehandlung und rettete mir vielleicht das Leben.

Nach sofortiger Anmeldung im Krankenhaus ergaben Tastuntersuchungen, Ultraschall und Mammografie zunächst keinen eindeutigen Befund. Klar war nur, dass da etwas gewachsen war, was weg musste. Bis zur stationären Aufnahme vergingen vier Tage zwischen Bangen und Hoffen, gutartig oder bösartig? Nach Anamnese, Blutentnahmen und Gespräch mit dem Narkosearzt wurde zunächst eine Feinnadelbiopsie, eine „Stanze“, versucht, um rasch einen vorläufigen Befund zu bekommen. Diese Methode misslang, weil die Veränderung in der Brust nicht getroffen werden konnte. Somit konnte erst eine Operation am nächsten Tag, der sogenannte „Schnellschnitt“, Klarheit über die Art der Erkrankung bringen. Die große Hoffnung, es möge sich um etwas Gutartiges handeln, nahm ich mit in den OP. Nach diesem vergleichsweise kurzen Eingriff wurde ich mit Befund „bösartig“ konfrontiert, der während der Operation festgestellt worden war. Eine schockierende Nachricht. Danach war erneut drei Tage Warten angesagt, ob „im Gesunden“ geschnitten werden konnte oder ob eventuell eine zweite Operation, die Entfernung der ganzen Brust, notwendig wird. Auch diese Tage gingen irgendwie vorbei. Dann der endgültige Befund des Pathologen. Es konnte nicht „im Gesunden“ operiert werden. Der Tumor war schon in die Milchgänge vorgewachsen. Es wurde eine Mastektomie notwendig. Zu meiner großen Erleichterung waren wenigstens die mitentfernten Lymphknoten unauffällig. Nun folgte ein intensives Gespräch mit den Ärzten, meinem Mann und mir, ob während der Operation ein sofortiger Wiederaufbau mit einer Silikonprothese vorgenommen werden sollte. Mir war zu diesem Zeitpunkt das Wichtigste, von diesem bösartigem Tumor in meinem Körper befreit zu werden.

Es wurde ein sofortiger Aufbau der Brust vorgenommen, was zu einem späteren Zeitpunkt wohl schwieriger ist. Durch die notwendige Dehnung des Brustmuskels hatte ich einige Tage nach der Operation ein sehr belastendes Gefühl der Enge und Luftnot. Doch diese Beschwerden klangen nach einiger Zeit ab. In meinem Fall sollte als Nachbehandlung eine sogenannte adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden. Die erste dieser Behandlungen fand noch während meines Aufenthaltes in der Klinik statt, um etwaigen starken körperlichen Reaktionen wie Übelkeit begegnen zu können. Die restlichen Therapien wurden ambulant durchgeführt. Dank der „Früherkennung“ war die erforderliche Chemotherapie mäßig aggressiv. Ich hatte keine Probleme mit Haarausfall oder Übelkeit. Da der Tumor hormonempfindlich ist, nehme ich täglich ein Anti-Östrogen ein.

Seit meiner Erkrankung sind zwei Jahren vergangen. Ich habe mein Leben verändert, denke positiv an die Zukunft und bin überzeugt und dankbar, dass die Ärzte alles getan haben, um mich von dieser heimtückischen Krankheit zu heilen.