Brust- und Bauchaortenaneurysmas (TAA und AAA)

Kommt es zu einer Erweiterung eines Blutgefäßes spricht der Mediziner von einer Gefäßektasie oder einem Aneurysma. Ein Aneurysma ist eine umschriebene Erweiterung eines Blutgefäßes um mehr als 50 Prozent seines normalen Durchmessers. Die Hauptschlagader (Aorta) ist das größte Blutgefäß des menschlichen Körpers und entspringt direkt aus dem Herz. Sie transportiert das sauerstoffreiche Blut zur Versorgung der inneren Organe und des gesamten Organismus.

Das Auftreten beziehungsweise die Entwicklung eines Aneurysmas bleibt meist unbemerkt, da dieser Vorgang keine Schmerzen verursacht. Die Beschwerden eines Bauchaortenaneurysmas sind unspezifisch und äußern sich meist in Bauch-,  Rücken- oder Flankenschmerzen.

Wenn das Aneurysma platzt, bestehen meist heftigste Rücken- oder Bauchschmerzen, die häufig als Nierenkolik interpretiert werden.

CT AAA

CT-Bauchaortenaneurysma

Die Diagnose wird daher meist erst gestellt, wenn Komplikationen auftreten. Die gefürchtetste Komplikation ist bei Aneurysmen der Bauch- (AAA = abdominelles Aortenaneurysma) und Brustschlagader (TAA = thorakales Aortenaneurysma) die Ruptur, also das Platzen der Schlagader. Unbehandlet führt dies innerhalb weniger Minuten bis Stunden zum Tod durch innere verblutungen. Das Risiko des Platzens nimmt mit steigendem Durchmesser zu und beträgt bei einem Bauchaortenaneurysma von sechs cm ca. 20-30 Prozent pro Jahr. Rauchen, hoher Blutdruck und Lungenerkrankungen erhöhen das Risiko einer Aneurysmaruptur.

Etwa 80 Prozent aller Aneurysmen der Hauptschlagader befinden sich im Bauchbereich unterhalb der Nierenarterienabgänge.

Diagnostik

In der Regel macht ein Aortenaneurysma keine Beschwerden, so dass oftmals die Diagnose nur zufällig, zum Beispiel im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung durch den Hausarzt gestellt wird.

Zeigt das Aneurysma eine kritische Größe von vier cm bei Frauen oder fünf cm bei Männern ist zur genaueren Planung der Versorgungsmöglichkeit eine Kontrastmittel-Computertomographie in Dünnschichttechnik (1 mm Schichtdicke) erforderlich.

Therapie

Pro Jahr werden in Deutschland ca. 15.000 Eingriffe bei Erweiterungen der Bauchschlagader durchgeführt. Seit Einführung sogenannter Stentgrafts 1991 wird ein stetig wachsender Anteil endovasculär, das heißt von innen über die Leistenschlagadern, behandelt. Zwischenzeitlich werden in Deutschland mehr als die Hälfte der Bauchaortenaneurysmen endovasculär versorgt. Für den Patienten bedeutet dies eine erheblich geringe Belastung durch den Eingriff mit einem deutlich niedrigeren OP-Risiko.

Die Notwendigkeit einer Operation hängt insbesondere vom Durchmesser, aber auch von der Form des Aneurysmas oder seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab. Notwendig wird eine OP meist ab einem Durchmesser von ca. fünf cm. Bei raschem Größenwachstum, symptomatischem Aneurysmen sowie spezieller Form muss unter Umständen auch schon bei einem geringerem Durchmesser operiert werden.
Das Operationsrisiko für Aortenaneurysmen hängt von mehreren Faktoren ab unter anderem Lokalisation, Gesundheitszustand des Patienten, endovasculäre oder offene Behandlung. Eingriffe an spezialisierten Kliniken weisen dabei aber auf Grund ihrer Erfahrung mit Abstand das geringste Operationsrisiko auf.

Die Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie ist mit mehr als 60 Bauchaortenaneurysmaoperationen pro Jahr ein sogenanntes High-Volume-Zentrum, also ein Zentrum mit besonders vielen Operationen dieser Art.

In unserer Abteilung bieten wir neben der klassischen, offenen Operation (OR = open repair) auch die endovasculäre Behandlung mittels Stentgrafts (EVAR = Endo-Vasculäres Aneurysma Repair) und als eines der deutschlandweit führenden Zentren die Behandlung mittels Ausschäumen des Aneurysmas, das so gennannte EVAS Verfahren (= Endo-Vasculäres Aneurysma Sealing) an.

Offene Operation

Bei der offen-chirurgischen Operation wird über einen Bauchschnitt der krankhaft erweiterte Abschnitt der Bauchschlagader durch eine sogenannte Gefäßprothese ersetzt. Der Vorteil dieses Operationsverfahrens liegt darin, dass die Nachsorge einfach und im Regelfall ohne Röntgenuntersuchungen erfolgen kann und Folgeeingriffe nur in seltenen Fällen notwendig sind. Nachteile sind die deutlich höhere Belastung durch den Eingriff, meist höherer Blutverlust und eine deutlich längere Rekonvaleszenzphase von ca. sechs-acht Wochen nach dem Eingriff. Insbesondere bei jüngeren Patienten mit gutem Allgemeinzustand ist die offene Operation häufig zu bevorzugen.

Endovaskuläre (minimalinvasive) Operation

Bei der minimalinvasiven Operation (EndoVascular Aneurysm Repair) beziehungsweise dem Endo Vascular Aneurysm Sealing EVAS) wird über einen  ca. drei-fünf cm großen Leistenschnitt eine sogenannte Stentgraftprothese in die Aorta eingebracht und dort unter Röntgenkontrolle freigesetzt. Ziel ist es hierbei, den Blutfluß in das Aneurysma vollständig zu unterbinden und das Blut ausschließlich durch die Prothese fließen zu lassen, um somit den pulsatilen Druck auf die Gefäßwand und somit die Rupturgefahr zu reduzieren. Dies gelingt allerdings bei ca. einem Drittel der behandelten Patienten nicht dauerhaft, so dass über Jahre hinweg Korrektureingriffe bis hin zum Ausbau des Stentgrafts und offenem Gefäßersatz notwendig werden. Daher müssen langfristig regelmäßige Nachuntersuchungen mittels Ultraschall und Computertomographie (CT) erfolgen.

In manchen Fällen sind auch Spezialprothesen erforderlich, sofern die Becken- oder Eingeweidearterien von der Erkrankung mitbetroffen sind.

Der Vorteil der endovaskulären Methoden ist die deutlich geringere Belastung für den Patienten, so dass der Patient meist schon nach wenigen Tagen die Klinik wieder verlassen kann.

Welches der verschiedenen Behandlungsverfahren geeignet ist, kann erst nach Durchführung einer Kontrastmittel-Computertomographie entschieden werden. Nach Durchführung der notwendigen Untersuchungen besprechen wir mit Ihnen ausführlich, welches Verfahren für Sie die individuell bestmögliche Lösung darstellt.

Sollten wir Ihnen eine offene Ausschaltung empfehlen, führen wir regelmäßig vor der Operation eine ausführliche kardiologische Abklärung durch, um Ihr Operationsrisiko weitestgehend zu minimieren.

Im Falle einer Ruptur ist eine Notfalloperation möglich, der Großteil der Patienten erreicht die Klinik jedoch nicht mehr rechtzeitig. Während die Sterblichkeit bei einem geplanten Eingriff bei deutlich weniger als 5 Prozent liegt so ist bei einem Notfalleingriff in der Ruptur mit einer Sterblichkeit von mehr als 60% zu rechnen. Im Klinikum am Plattenwald beträgt die Sterblichkeit in der Ruptur aufgrund der großen Erfahrung lediglich 30 Prozent. Entscheidend ist die schnellstmögliche Einlieferung in eine geeignete gefäßchirurgische Klinik. In der Region Heilbronn ist ausschließlich das Klinikum am Plattenwald mit seiner zertifizierten Abteilung in der Lage, sowohl eine endovaskuläre als auch offene Versorgung rund um die Uhr sicherzustellen.

Nachbehandlung

Nach einer offenen Operation schließt sich an den ca. zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt im Regelfall eine Anschlussheilbehandlung (Kur) von ca. drei-vier Wochen Dauer an.

Nachkontrollen sollten nach ca. vier Wochen, anschließend einmal jährlich mittels Ultraschall und einer klinischen Untersuchung erfolgen.

Nach einer endovasculären Behandlung ist ein regelmäßiges Nachsorgeschema einzuhalten. Dieses muss dauerhaft erfolgen, da Komplikationen und daher notwendige Nachbehandlungen meist erst nach einem Zeitraum von vier-fünf Jahren auftreten.

Die Nachsorge umfasst konventionelle Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen sowie eine einmal jährliche Kontrastmittel CT Untersuchung in 2-Phasen-Technik.