Rückblick - Kultur im Klinikum

Schwäbischer Blues mit Ignaz Netzer

Wer nach einem anstrengenden Tag - ob als Patient oder bei der Arbeit - den Weg in den Franziska-Schwarz-Hörsaal des Klinikums am Gesundbrunnen fand, trat ein Stück weit beschwingter den Nachhauseweg an.

Verantwortlich dafür war ein Mann mit zwei Gitarren und einer Mundharmonika: Ignaz Netzer. Der 62-jährige Blues-Spezialist aus dem Hohenloher Land verstand es von der ersten Minute an eine ganz spezielle Atmosphäre zu erzeugen, die durch den Abend trug.

Good vibrations
Der Gitarrenkünstler nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise zu den Wurzeln der Blues-Musik, die in den US-amerikanischen Südstaaten liegen. Los ging's mit "Good Morning Blues", was Netzer humorvoll und spontan in ein "Good evening SLK-Klinik" umwandelt . "Es ist wichtig, alle anwesenden Frauen hinter sich zu bringen, deshalb kommt jetzt eine Ballade " leitete der Liedermacher sein zweites Stück ein.

Ultimativer "Mitmachteil"
Richtig umtriebig wurde es dann, als Netzer motivierend zum Mitsingen und Mitschnippen aufforderte: "Denen, die hier die nächsten Tage wohnen müssen, tut es gut  und den anderen schadet es sicher auch nicht", lieferte er die überzeugende Begründung gleich hinterher. Die Gäste ließen sich nicht zweimal auffordern und verwandelten den gut gefüllten Hörsaal in ein "Gute-Laune-Zentrum".

(MB)

Ignaz Netzer bei seinem Auftritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kultur im Klinikum"
Begann den Abend beschwingt mit "Good morning Blues" - Ignaz Netzer bei seinem Auftritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kultur im Klinikum" am Klinikum Gesundbrunnen, Heilbronn.

Blechbläserensemble „Brasst scho…“

Einen Kontrast zum Schmuddelwetter draußen bot die schwungvolle Tonvielfalt im Franziska-Schwarz-Hörsaal bei Kultur im Klinikum.

Das Ensemble „Brasst scho…“ entstand durch die Idee von acht engagierten Musikern aus dem Heilbronner Raum, die auch außerhalb der symphonischen Orchester- und Musikvereinstätigkeit gemeinsam musizieren wollen.

Sieben Bläser (Trompete, Posaune, Tuba, Horn) und ein Schlagzeuger zeigten unter der Leitung von Daniel Kraus einen Querschnitt aus ihrem Repertoire von symphonischer und „weltlicher“ Musik und bedienten dabei verschiedene Musikstile.

Zu Beginn hörte das Publikum eine Sonata in drei Teilen von Antonio Vivaldi, anschließend eine zarte Ballade von John Legend „All of Me“.

Ein Höhepunkt war sicher auch das zeitlose Filmmusik-Medley „Moment for Morricone“, das die Zuhörer in die Atmosphäre vom Wilden Westen entführte.

Über Mambo und Blues erklang zum Abschluss das allseits bekannte „Nessun dorma – keiner schlafe“ aus der Puccini-Oper „Turandot“.

Das begeisterte Publikum forderte mit seinem Applaus natürlich noch eine Zugabe.
Eine kleine Anmerkung für diejenigen, die die Musiker gerne nochmals hören möchten: Gelegenheit gibt es im September auf der BUGA.

/kö

Blechbläserensemble „Brasst scho…“
Blechbläserensemble „Brasst scho…“

Slavica räumt auf!

Ein humoristisch-temperamentvolles Kehr-ein- und Kehr-aus-Programm konnten die Besucher am 26. März 2019 bei der monatlichen Veranstaltung im Rahmen von Kultur im Klinikum erleben.

Slavica, eine Putzfrau mit slawischem Ursprung und schwäbischem Putzfrauendiplom, erzählte anschaulich und wortreich von ihrer internationalen Putzkarriere, denn die Putzpraktiken der Länder sind sehr unterschiedlich. Als ausgewiesene Staubexpertin wird sie dabei nicht nur von ihrem freundlichen Besen (mit dem sie fast schon verheiratet ist), sondern auch vom ihrem Akkordeon unterstützt. Sie singt leidenschaftlich gern beim Putzen, zum Beispiel ihr „Glücklichkeitslied“.

Ihre Anekdoten und Lieder sind durchaus deutsch, aber mit ganz viel Balkan. Sie putzt nicht nur öffentlich, sondern sehr gern auch ehrenamtlich privat. Das Putzen ist für Slavica pure Lebensfreude und gleichzeitig Meditation! Sie erzählte von ihrer ersten Arbeitsstelle bei einer Bank, über die Schönheit der Männer und weihte uns in das Geheimnis ihres goldenen Eimers ein.

Anzumerken wäre noch, das Slavica auch bei den Klinikclowns als Peppi den kleinen Patienten der Kinderklinik einen Moment lang die Sorgen und Schmerzen vergessen lässt.

Slavica bei der Aufführung

Galerie im Klinikum – Finissage „Horizonte II“

Die Galerie im Klinikum am Gesundbrunnen besteht nunmehr bereits seit 17 Jahren. Es begann mit der Vernissage „Horizonte I“. Jährlich zweimal werden Ausstellungen von bildender Kunst gezeigt. Arbeiten von und für Patienten, Klinikmitarbeiter und Besucher, jeweils kuratiert von Prof. HJ Rumpelt, ehemaliger Direktor des Institutes für Pathologie.

Bei der Finissage am 15.03.2019 zur laufenden Ausstellung „Horizonte II“ erklärte Prof. Rumpelt seine ehrenamtliche Tätigkeit für die Galerie zu beenden. Roswitha Löffler, Leiterin Kultur im Klinikum, dankte im Namen der Geschäftsführung für die zahlreichen Ausstellungen in Öl, Acryl, Kreide, Aquarell, Computergrafik, Collage sowie Fotokunst. Die Ausstellung „Horizonte II“ zeigt ausschließlich Fotografien, die von Prof. Rumpelt selbst aufgenommen wurden.

Die 150 x 50 cm großen Bilder sind in enger Folge wie auf Linie gezogen, längs des Ausstellungsflures gehängt und symbolisieren so gemeinsam eine Horizontlinie. Jedes Bild für sich zeigt Horizontabschnitte: teils über Land, teils über dem Meer. Während die Szenerie bis zum Horizont frei sichtbar ist, bleibt das hinter dem Horizont Gelegene zunächst verborgen. Übertragen auf die Situation des Klinikums mit seinem umfänglichen Neubau sollen die Bilder darauf hinweisen, dass die Galerie dem Klinikum, ihren Patienten und ihrem Personal eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung wünscht.
Die ausgestellten Bilder werden nach Auflösung der Ausstellung auf Dauer im Klinikum verbleiben.

Besucher auf der Vernissage

Heimat ist immer das Verlorene

Unter diesem Titel stand der Vortrag des Literaturwissenschaftlers Dr. Anton Philipp Knittel über das Werk Martin Walsers im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kultur im Klinikum.

Über Martin Walser zu reden ist nicht einfach, angesichts seiner umfassenden und vielfach preisgekrönten Werke mit Romanen, Theaterstücken, Hörspielen, Tagebüchern und Gedichten. Martin Walser, 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren, hat es sich und seinen Lesern und Zuhörern als Schriftsteller, wie auch als kritischer Zeitgenosse, nie leichtgemacht. So auch beim Themenkreis Heimat und Herkunft. Der letzte Großschriftsteller seiner Art, setzt sich schon seit mehr als 60 Jahren immer wieder mit diesem Thema auseinander. Dabei sind seine Figuren vielfach regional verortet, meist in Oberschwaben und am Bodensee, auch werden dabei herrliche Landschaftsbilder gezeichnet.

Wie viel Heimat braucht der Mensch? Antworten gab es dazu u. a. in den von Dr. Knittel vorgestellten Bänden „Heimatlob“ (eine Liebeserklärung an die Bodenseeregion und seine Bewohner), „Heimatkunde - Reden und Aufsätze“ (Sprache und Dialekt, Heimatgefühle) und „Ein springender Brunnen“ (autobiografische Kindheits- und Jugenderinnerungen).
Die interessante Veranstaltung wurde vom Fleiner Organisten Tassilo Wichelhaus mit eingängiger Klaviermusik umrahmt.

(kö)

Dr. Anton Philipp Knittel über das Werk Martin Walsers