Wirbelsäule

Osteoporosebedingte Wirbelkörperfrakturen und moderne Therapiemöglichkeiten: Vertebro-/Kyphoplastie

Was kann man gegen Schmerzen und Wirbelkörpersinterungen tun?

Als konservative (nicht-operative) Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Zeit Ruhigstellung (Bettruhe), medikamentöse Schmerzbehandlung, Krankengymnastik und ggf. Anlage einer Rumpforthese (sogenanntes Mieder/Korsett) zur Verfügung. Häufig ist schmerzbedingt ein stationärer Krankenhausaufenthalt von 2 bis 4 Wochen notwendig bis zur Wiedererlangung einer schmerzarmen Mobilität.

Eine operative Behandlung wird nur bei neurologischen Defiziten (Lähmungen) oder bei sogenannten instabilen Brüchen zur Stabilisierung eines Wirbelkörper durch einen Fixateur interne und/oder Plattenverbindungen von vorne oder von hinten durchgeführt. Diese Verfahren sind zum Teil sehr invasiv, bieten bei stark osteoporotischen Knochen keinen sicheren Halt und hinterlassen große Narben.

Seit 1986 werden in Frankreich und den USA Wirbelkörperfrakturen mit einem wenig den Körper belastenden (minimal-invasiven) operativen Verfahren behandelt. Dabei wird ein Wirbelkörperhohlraum, entstanden durch Osteoporose oder Tumore, mit Knochenzement unter Druck aufgefüllt (Vertebroplastie).

Ein Wirbelkörperbruch kann zusätzlich von zwei kleinen Zugängen am Rücken mit einem Ballon aufgerichtet und der dann entstandene Hohlraum anschließend mit Knochenzement aufgefüllt werden (Kyphoplastie).

Dieses Verfahren hat erhebliche Vorteile gegenüber den bisherigen Therapieverfahren:

  • deutlichere Schmerzminderung (bis 90 %)
  • rasche Mobilisierbarkeit: bereits am 1. Tag nach OP ist Aufstehen möglich
  • Aufrichtung und Stabilisierung des Wirbelkörperbruches
  • annähernde Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe
  • Reduktion der Wirbelsäulenverkrümmung

Technik der Kyphoplastie

Bei frischen Wirbelkörperfrakturen wird in Bauchlage unter Röntgenkontrolle von hinten über den ca. 2 cm langen Hautschnitt unter höchster Präzision in den Wirbelkörper eine schmale Arbeitskanüle eingebracht.

Der Ballonkatheter wird aufgeblasen, hebt die eingebrochene Grund- und/oder Deckplatten an und stellt die Wirbelkörperhöhe annähernd wieder her.

Nach Ablassen des Druckes und Entfernung des Ballonkatheters hinterlässt dieser einen knöchernen Hohlraum, der unter geringem Druck mit zähem Knochenzement aufgefüllt wird.

Bei alten, verheilten Wirbelkörperfrakturen oder spontanen, osteoporotisch bedingten Sinterungen des Wirbelkörpers wird keine Ballonaufrichtung vorgenommen. Nur der durch den Ballon infolge Verdichtung entstandene Hohlraum wird mit Knochenzement gefüllt und damit ein weiteres Zusammensintern verhindert.

Vertebroplastie

  • Schmerzrückgang bis 90 %
  • Stabilisation durch Knochenzement
  • keine Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe
  • keine Hohlraumerzeugung durch einen Ballon
  • Risiko für Zementaustritt hoch (Einbringen des Knochenzement unter hohem Druck)

Kyphoplastie

  • Schmerzrückgang bis 90 %
  • stabilisiert die Fraktur durch Knochenzement
  • annähernde Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe bei frischen Frakturen möglich (bis 4 Wochen)
  • Hohlraumerzeugung durch aufgeblasenen Ballon
  • Risiko für Zementaustritt gering wegen zuvor geschaffenem Hohlraum und Verdichtung der Randzonen

Das moderne Therapieverfahren der Kyphoplastie ist in der Hand des erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen eine zukunftsorientierte und den Patienten schonende Möglichkeit der Behandlung von osteoporose-bedingten Wirbelsäulenfrakturen. Gegebenenfalls kann es auch zur prophylaktischen Stabilisierung benachbarter Osteoporosewirbel, die sinterungsgefährdet sind, eingesetzt werden. Ein erfahrener Wirbelsäulenchirurg beherrscht auch alle anderen konservativen und operativen Verfahren, kann die Indikation für das jeweilige Verfahren sicher einschätzt und mögliche intraoperative Komplikationen berücksichtigen.