Infektiologie – Infektionskrankheiten der Haut und Unterhaut

Viele, darunter auch komplizierte, Hauterkrankungen werden durch Mikroorganismen wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten verursacht. Diese können durch Keime entstehen, die vorübergehend oder dauerhaft die Haut besiedeln oder aber erworben werden. Sie dringen über eine Hautverletzung, ein Trauma oder über chronische Wunden bei Gefäßinsuffizienz, Druckgeschwüren oder diabetischem Fußsyndrom in die tieferen Gewebeschichten ein.

Als kompliziert werden diese Infektionen bezeichnet, wenn sie

  • bei Patienten mit Begleiterkrankungen auftreten, welche den Therapieerfolg beeinflussen können
  • eine umfangreiche chirurgische Intervention erfordern
  • sich von oberflächlichen Gewebestrukturen in tiefe Gewebeschichten ausbreiten.

Beispiele hierfür wären die Borreliose, die Wundrose (Erysipel) und Phlegmone sowie die Gürtelrose (Herpes zoster). Aber auch Pilzerkrankungen an Füßen und Nägel gehören zu den typischen Krankheitsbildern in der Dermatologie. Nicht zu vergessen sind Parasiten der Haut wie Läuse und Milben (Krätze). Auch die Therapie der Geschlechtskrankheiten ist ein klassisches Betätigungsfeld der Hautärzte.

Zunehmend gehören auch sogenannte Reisedermatosen, d.h. unerwünschte Mitbringsel aus tropischen Ländern zum Behandlungsspektrum der Hautklinik.

Auflistung relevanter Hautinfektionen

Weichteilinfektionen (Wundrose/Erysipel, Phlegmone)

Akute, sich flächenhaft ausbreitende bakterielle Infektion der Haut, häufig an den Unterschenkeln. Eintrittspforten für die Keime sind kleine Hautverletzung, z.B. im Rahmen eines Fußpilzes. Neben einer scharf begrenzten flammenden Rötung besteht Fieber und Schüttelfrost. Die Therapie besteht in Antibiotika-Infusionen. Übrigens ein roter Strich, der Richtung Körperstamm verläuft, bedeutet eine Entzündung der großen Lymphgefäße und natürlich nicht, dass man stirbt, wenn er das Herz erreicht.

Bei der Phlegmone handelt es sich um ein deutlich schwereres Krankheitsbild. Hier senkt sich die Infektion in die Tiefe und es kommt zu eitrigen Gewebeeinschmelzungen. Den Patienten geht es sehr schlecht und sie haben hohes Fieber. Hier müssen hochdosiert Antibiotika eingesetzt werden und manchmal ist eine Operation nötig.

Gürtelrose (Herpes zoster, Zoster)

Hier handelt es sich um einen Hautinfekt der vom Varizella zoster-Virus, dem Erreger der Windpocken, hervorgerufen wird. Wer einmal Windpocken hatte, wird die Viren leider nie mehr los. Sie verstecken sich in Nervenknoten, die sich rechts und links entlang der Wirbelsäule befinden. Dort sind sie für das Immunsystem unerreichbar. Wird unser Körper geschwächt, z.B. durch eine andere Erkrankung oder Stress, können die Viren reaktiviert werden und infizieren die Haut. Dabei beschränkt sich die Infektion auf das Areal, das von dem Nerv versorgt wird, aus dessen Knoten die Viren stammen. Daher findet man die Gürtelrose z.B. im Bauchbereich wie ein Gürtel, jedoch nur zu einer Köperhälfte, die andere Seite wird über den anderen Nervenknoten versorgt. Die Haut ist gerötet und man sieht kleine gruppiert stehende Bläschen. Man kann starke, brennende Schmerzen haben, welche auch Monate später noch anhalten können, oder auch kaum welche. Nicht selten gehen die Schmerzen den Hauterscheinungen um bis zu 2 Wochen voraus. Die Gürtelrose ist natürlich ansteckend, aber längst nicht so sehr wie die Windpocken. Trotzdem sollten Erkrankte nicht zu engen Kontakt mit Schwangeren oder Säuglingen haben.

Herpes simplex

Wer kennt sie nicht, die lästigen Bläschen an den Lippen. Nahezu jeder Mensch trägt diese Herpesviren mit sich, aber nicht jeder bekommt die Lippenbläschen. In der Regel handelt es sich um einen unangenehmen, aber harmlosen Hautinfekt. Bei Patienten aber, die ein geschwächtes Immunsystem haben oder eine gestörte Hautfunktion wie z.B. Neurodermitiker, kann es zu einer dramatischen Ausbreitung des Infektes kommen, der dringend klinischer Behandlung bedarf.

Impetigo contagiosa

Hier handelt es sich um eine oberflächliche eitrige Entzündung der Haut durch Bakterien, die v.a. Kinder in der Sommerzeit betreffen. Nach dem Infekt kommt es nach wenigen Tagen zu größeren oder kleineren Blasen, die leicht platzen und typische honiggelbe Krusten bilden. Am häufigsten finden wir die Impetigo im Gesicht. Sie ist übrigens hoch ansteckend. Früher gab es regelrechte Epidemien in Schulen und Kindergärten. Zur Behandlung genügen in der Regel desinfizierende Wundabdeckungen und in schweren Fällen (und zur Freude der Kinder) Schulfrei bis zum Abfallen der letzten Krusten.

Borreliose

Die Borreliose gewinnt in unseren Breiten zunehmend an Bedeutung. Die durch einen Zeckenstich übertragenen Bakterien können leider unzählige verschiedene Symptome hervorrufen, so dass die Diagnose oft schwer zu stellen ist. In der Regel sieht man im Frühstadium um die Stichstelle einen rötlichen Ring, der immer größer wird und nach wenigen Wochen verschwindet. Nach Monaten oder auch Jahren können rötliche Knoten, am häufigsten am Ohrläppchen, auftreten oder auch eine Verdünnung von Hautarealen, die sich dann zigarettenpapierartig fälteln lassen. Besonders unangenehmen sind die Organschäden durch die Borreliose. Hier können neben schweren neurologischen Krankheitsbildern v.a. Herzschäden und arthritische Beschwerden auftreten. Diese Erscheinungen der Borreliose sind oft nicht mehr rückgängig zu machen, so dass eine Infektion so früh wie möglich erkannt und behandelt werden muss. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass beileibe nicht alle Zecken die Bakterien in sich tragen. Und wenn doch, dann muss die Zecke mehrere Stunden Blut saugen, bevor die Borrelien übertragen werden können.

Tinea

Unter Tinea verstehen wir eine Pilzinfektion der Haut, die häufiger ist, als man allgemein annimmt. Dieser Hautpilz hat weniger mit hygienischen Verhältnissen zu tun, sondern mehr mit dem allgemeinen Gesundheitszustand. Fördernde Faktoren sind Dickleibigkeit, Diabetes, feuchtes Klima, starkes Schwitzen, Neurodermitis, Mangelernährung sowie schwere Grunderkrankungen. Neben relativ harmlosen Pilzinfektionen wie z.B. dem Fußpilz oder dem Schwitzpilz an Brust und Rücken, die jeder Sportler kennt, finden wir auch hartnäckigere Pilzinfektionen z.B. der Finger- und Fußnägel sowie dem behaarten Kopf. Die Behandlung geht oft über einen langen Zeitraum. Wichtig ist auch hier – wie bei allen Infektionskrankheiten – die genaue Erregerbestimmung.

Eine weitere wichtige Gruppe der Infektionskrankheiten der Haut sind die Geschlechtskrankheiten. Hierzu zählen u.a. Syphilis und Gonorrhoe. Zunehmende Bedeutung erhalten Herpes genitalis und Feigwarzen.

Syphilis

Die Syphilis ist bei uns wieder deutlich auf dem Vormarsch, wie die gemeldeten Krankheitsfälle belegen. Die Hauptinfektionsquelle ist nach wie vor der Sexualkontakt. 3-4 Wochen bildet sich am Infektionsort oder in unmittelbarer Nähe eine kleine schmerzlose Wunde (Ulzeration), gleichzeitig findet man auch deutlich geschwollene Lymphknoten. Auch ohne Therapie gehen diese Hautveränderungen wieder zurück. Nach ca. 2 Monaten aber erscheinen neue Symptome. Man sieht jetzt auf der Haut Rötungen oder Knötchen. Auch der behaarte Kopf oder die Mundschleimhaut kann mitbefallen sein. Die Syphilis macht jetzt ihrem alten Namen, nämlich "Affe der Medizin" alle Ehre. In diesem Stadium wie auch später macht sie die unterschiedlichsten Symptome, die zu erkennen große Erfahrung erfordert. Die Syphilis ist hochansteckend und namenlos meldepflichtig. Nichtsdestotrotz lässt sie sich sehr gut mit Antibiotika behandeln.

Gonorrhoe

Auch die Gonorrhoe (‚Tripper’) ist eine bakterielle Geschlechtskrankheit, die nahezu ausschließlich sexuell übertragen wird. Die Symptome sind relativ unspezifisch. Gewöhnlich tritt wenige Tage nach Infektion eine schmerzhafte Harnröhreninfektion auf, begleitet von eitrigem Ausfluss. Bei Frauen kann die Gonorrhoe bis zu 80 % asymptomatisch sein. Wird diese melde- und behandlungspflichtige Erkrankung nicht therapiert, kann es zu einem gefährlichen Übergreifen auf benachbarte Organe im Bauchraum kommen. Die Behandlung selbst gestaltet sich heutzutage relativ einfach und sicher mit Antibiotika.

Herpes genitalis

In den letzten Jahren kam es zu einer raschen Zunahme von Herpes genitalis- Infektionen. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um ein mit dem Erreger des Lippenherpes (Herpes simplex 1) verwandtes Virus, nämlich Herpes simplex Virus 2. Die Symptome sind ähnlich, nämlich Rötung, Bläschenbildung und schmerzende Wunden im Genitalbereich. Die Ansteckungsrate ist v.a. bei jungen Menschen sehr hoch. Herpes genitalis ist – zumindest in den USA – die häufigste Geschlechtskrankheit. Bei einer floriden Herpes genitalis-Infektion muss eine Gebärende per Kaiserschnitt entbinden, da ein hohes Infektionsrisiko für das Neugeborene besteht.