Chronisch entzündliche Dermatosen

Neben den akuten Hauterkrankungen wie z.B. bakteriellen oder viralen Infektionen werden in der Hautklinik auch chronische Erkrankungen, welche längerfristig bestehen behandelt. Meist liegt eine vererbte und damit angeborene Neigung zugrunde, wodurch eine lebenslange Neigung zu der entsprechenden Erkrankung vorliegt. Hierbei besteht meist ein Ungleichgewicht innerhalb des Immunsystems, wodurch krankhaft chronische Entzündungen an der Haut und anderen Organen entstehen können.

Vor Beginn einer Behandlung findet (meist schon ambulant) eine speziell auf jeden einzelnen Patienten abgestimmte Diagnostik statt, welche eine umfassende Beurteilung der vorliegenden Erkrankung ermöglicht. Das Ziel der Behandlung ist neben allgemeinen Maßnahmen die Vermeidung krankheitsverschlechternder Faktoren. Reichen diese Maßnahmen zur Befundkontrolle nicht aus, kommen je nach vorliegender Erkrankung lokale oder systemische medikamentöse Behandlungen zur Unterdrückung der chronischen Entzündungsreaktionen zum Einsatz.

Im Folgenden möchten wir Ihnen eine kleine Auswahl von chronisch entzündlichen Dermatosen (Hauterkrankungen) vorstellen.

Atopische Dermatitis – Die Neurodermitis

Die atopische Dermatitis, landläufig Neurodermitis genannt, ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Dermatosen und gehört neben dem allergischen Asthma bronchiale und der Rhinoconjunctivitis allergica (Heuschnupfen) zum atopischen Formenkreis. Den atopischen Erkrankungen gemeinsam ist eine krankhaft überschießende Reaktion des Immunsystems. Die Neigung eine atopische Erkrankung zu entwickeln ist zu einem großen Teil vererblich. Besteht bei einem Elternteil eine Atopie, beträgt das Risiko des Kindes 50 % ebenfalls eine atopische Neigung zu entwickeln. Sind beide Elternteile betroffen, beträgt die Wahrscheinlichkeit sogar 75 %. Entgegen der häufigen Annahme, dass sich diese Art von Erkrankung bereits im Kindesalter zeigen muss, finden sich die ersten Krankheitszeichen nicht selten erst im Erwachsenenalter oder bei Senioren.

Auch die Erscheinungsform der Erkrankung kann variieren. Neben dem klassischen Bild mit Ekzemen der Ellen- und Kniebeugen sowie des Gesichtes, finden sich Varianten mit nahezu ausschließlicher Beteiligung der Hände und/oder der Füße.

Bei der fast immer vorliegenden trockenen Haut des Atopiepatienten ist das wichtigste Therapieprinzip eine konsequent mehrfach täglich durchzuführende Rückfettung der Haut, z.B. mit Urea- oder Tanninhaltigen Salben und Cremes. Einen stark austrocknenden Effekt auf die Haut besitzt Wasser. Umso wichtiger ist die Rückfettung nach dem Baden/Duschen oder dem Händewaschen. Da die Haut mit zunehmendem Alter die Fähigkeit verliert Feuchtigkeit zu speichern, ist dies bei alten Patienten umso wichtiger.

Zur Therapie des akuten Schubes einer Neurodermitis dient an erster Stelle der kurzfristige (weil nebenwirkungsarme) Einsatz von Kortisonpräparaten. Zur Stabilisierung des Befundes stehen seit einigen Jahren immunmodulierende Salben (Calcineurin- Inhibitoren) zur Verfügung, welche ohne die Nebenwirkungen einer langfristigen Kortisontherapie durchführbar sind.

Daneben finden sich bei Patienten mit atopischen Erkrankungen gehäuft Allergien. Je nach dem persönlichen Befund eines Patienten ist es das Ziel, krankheitsverschlechternde Allergene zu bestimmen und Möglichkeiten zur Vermeidung zu erarbeiten, bzw. eine spezielle allergologische Behandlung (spezifische Immuntherapie) einzuleiten.

Psoriasis vulgaris – Die Schuppenflechte

Eine der häufigsten chronisch entzündlichen Dermatosen ist die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris). Die Neigung eine Psoriasis zu entwickeln ist vererblich. In Deutschland sind ca. 2% der Bevölkerung an Psoriasis erkrankt. Hierbei findet man neben kaum auffallenden Minimalformen auch schwerwiegende Erkrankungen mit teils großflächigen roten, schuppenden und erhabenen Flecken der Haut. Besonders schwerwiegend ist die Erkrankung vor allem dann, wenn eine begleitende Gelenkbeteiligung als so genannte Psoriasisarthritis besteht. Diese kann ohne Behandlung im Extremfall zur vollständigen Zerstörung der betroffenen Gelenke führen. Seit wenigen Jahren weiß man, dass die Psoriasis nicht nur eine Erkrankung der Haut bzw. der Gelenke ist. Es handelt sich vielmehr um eine systemische Erkrankung, welche auch mit diversen Stoffwechselveränderungen einhergehen kann. So finden sich sehr häufig erhöhte Cholesterinwerte bei Psoriasispatienten. Auch das Risiko einen Herzinfarkt zu entwickeln ist bei Psoriatikern im Vergleich zu nicht Erkrankten erhöht. Dies hängt mit Veränderungen im Stoffwechsel zusammen, die auch ein erhöhtes Risiko für einen Diabetes mellitus und Bluthochdruck mit sich bringen. Insgesamt ist die Psoriasis als eine systemische Entzündung zu verstehen, weniger als eine reine Hauterkrankung.

Es stehen vielfältige therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Reicht eine ambulante Behandlung nicht mehr aus, kann in der Hautklinik eine intensivierte Lokaltherapie erfolgen. Diese wird meist durch eine begleitende medizinische Lichttherapie durch UV-Licht einer speziellen Wellenlänge ergänzt. Hierzu stehen in der Hautklinik Ganz- und Teilkörperbestrahlungsgeräte zur UVA, UVA1 und UVB(311)-Belichtung zur Verfügung.

Wenn die Erkrankung trotz intensiver Therapie nicht ausreichend zu kontrollieren ist (oder bei einer begleitenden Psoriasisarthritis) ist in der Regel eine medikamentöse Therapie durch Einnahme von Tabletten zu empfehlen. Sind auch diese Medikamente wirkungslos, stehen seit einigen Jahren weitere moderne Medikamente (sog. Biologicals) zur Verfügung, welche die Entzündungsaktivität gezielt durch Hemmung von entzündungsfördernden Botenstoffen reduzieren können. Neben den klassischen Tumornekrosefaktor-α-Blockern verordnen wir auch die neusten Entwicklungen unter den Biologicals wie Phosphodiesterase-4-Blocker (Otezla®) und Anti-IL-17A-Antikörper (Cosentyx®).

Wichtiger Hinweis für Psoriasispatienten unter Therapie mit Biologicals (z.B. Enbrel®, Humira®, Stelara®, Remicade®, Cosentyx®, Otezla®):

Durch Hemmung entzündungsfördernder Botenstoffe unterdrücken Biologicals sehr effektiv die chronischen Entzündungsreaktionen in der Haut und in den Gelenken. Die Therapie ist insgesamt als sicher anzusehen. Nicht zu vergessen ist aber, dass auch die zur Infektionsabwehr „gewünschten“ und notwendigen Entzündungsreaktionen im Körper durch die o.g. Medikamente reduziert werden können. Hierdurch ist es unter Umständen möglich, dass z.T. auch sehr schwere Infektionskrankheiten mit nur gering ausgeprägten, oder sogar ohne Entzündungszeichen wie Fieber und Schmerzen auftreten können.

Sollten Sie daher Zeichen einer systemischen Infektionskrankheit, Atembeschwerden oder allgemeines Unwohlsein bei sich bemerken, sollten Sie früher als gewöhnlich einen mit dieser Therapie vertrauten Arzt aufsuchen und eine anstehende Injektion im Zweifel erst nach ärztlicher Beurteilung durchführen.

Urtikaria – Die Nesselsucht

Die Urtikaria oder Nesselsucht ist eine sehr häufige Erkrankung, die jedem der keine Erfahrung mit diesem Krankheitsbild hat, äußerst imposant erscheint.  Innerhalb weniger Minuten oder Stunden kommt es mitunter zu vielen kleinen oder auch zu großflächig ausgedehnten roten Flecken (Urticae), die den von Brennesseln (lat. Urtica; daher der Name der Erkrankung) hinterlassenen Spuren stark ähneln und die prinzipiell am gesamten Körper auftreten können. Meist führt die Urtikaria zu heftigem Juckreiz. Fatal ist hierbei, dass Kratzen gehäuft zu weiterer Ausprägung von Urticae und somit in einen Teufelskreis führt.

Besteht die Erkrankung kürzer als 6 Wochen spricht man von einer akuten Urtikaria. Falls hierbei kein eindeutiger Auslöser erkennbar ist, ist eine weitere Ursachensuche nicht sinnvoll. Erst wenn die Erkrankung länger als 6 Wochen besteht, rät man zu weiteren Untersuchungen um mögliche Ursachen herauszufinden.

Zur Therapie kommen vor allem Antihistaminika oder gelegentlich (dann aber nur sehr kurzfristig) Kortisonpräparate zum Einsatz.

Lichen planus

Der Lichen planus (Knötchenflechte) ist eine relativ häufige, meist chronisch verlaufende Erkrankung, deren Ursachen bisher nicht genau bekannt sind. Es bestehen jedoch Hinweise auf eine durch virale Infektionen, Autoimmunphänomene (Angriff körpereigener Substanzen durch das Immunsystem) und ggf. medikamentöse beeinflusste Entstehung. Vor allem eine Infektion mit dem Hepatitis C Virus scheint diese Krankheit zu begünstigen.

Beim Lichen ruber kommt es vor allem an den Unterarmbeugeseiten und den Unterschenkeln zur Entwicklung einer Vielzahl von kleinen roten Knötchen, welche sich meist durch intensivsten Juckreiz bemerkbar machen. Daneben können aber auch Kopfhaut, Mundschleimhaut und Genitalschleimhaut betroffen sein.

Zur Therapie kommen vor allem Glukokortikoide, Retinoide (Vitamin A-Säure-Derivate) und Lichttherapie zum Einsatz.

Kollagenosen

Als Kollagenosen bezeichnet man verschiedene chronische Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper Abwehrstoffe gegen spezifische Bestandteile des Bindegewebes bildet. Je nach vorliegender Erkrankung sind unterschiedliche Areale, bzw. Organe betroffen. Hierbei gibt es große Unterschiede im Schweregrad dieser Erkrankungen.

Die Therapie ist ebenfalls stark abhängig von der jeweils vorliegenden Erkrankungsart und besteht unter anderem in einer medikamentösen Unterdrückung des Immunsystems, Physiotherapie, Verbesserung der Blutzirkulation oder gelegentlich in der Therapie einer anderen möglicherweise zugrunde liegenden Erkrankung.

Zur Gruppe der Kollagenosen zählen: Lupus erythematodes, Sklerodermie und Dermatomyositis.

Bullöse Autoimmundermatosen

Hierbei handelt es sich um blasenbildende Autoimmunerkrankungen. Durch bisher nicht bekannte Ursachen kann das Immunsystem nicht mehr sicher zwischen körpereigenen und körperfremden Stoffen unterscheiden und bildet Antikörper (Abwehrstoffe), die gegen Bestandteile der Haut gerichtet sind. Als Folge kommt es zur Ausbildung von Blasen auf Haut und Schleimhäuten, die Brandblasen ähnlich sehen können oder auch zu fleckförmigen bis flächigen Hautablösungen.

Die weitere Einteilung innerhalb dieser Erkrankungsgruppe erfolgt je nach der angegriffenen Zielstruktur in der Haut. Die häufigsten unter den insgesamt jedoch eher seltenen bullösen Autoimmundermatosen sind: Dermatitis herpetiformis Duhring, Bullöses Pemphigoid, Pemphigus vulgaris. Zur Diagnosestellung lassen sich die entsprechenden Antikörper durch spezielle Anfärbung in einer Blut- und Gewebeprobe nachweisen.

Die Therapie besteht in der medikamentösen Modulation und/oder Unterdrückung des Immunsystems, welche meist über viele Jahre und z.T. lebenslang erfolgen muss. Bei der Dermatitis herpetiformis Duhring ist daneben die Einhaltung einer gluten- und iodarmen Ernährung notwendig.